back to childhood – Besuch bei alten Freunden im Kosovo


Einer meiner besten Freunde im Grunschulalter war Egzon. Unten rechts im Bild. Er ist 1994 mit seiner Familie aus dem Kosovo vor dem Krieg geflohen. Meine Eltern haben sich dazu entschieden, sie so viel wie möglich zu unterstützen. Das und die Freundschaft von uns Kindern hat unsere Familien eng verbunden.

1998 wurde die Familie abgeschoben. Noch bevor der Krieg zuende war. Eine Entscheidung von staatsseiten, die damals wie heute schwer nachzuvollziehen ist. Die damals erlebte Machtlosigkeit hat mich lange beschäftigt. Auch deshalb war es mir ein Anliegen, sie endlich zu besuchen. Zu sehen, dass sie trotz der Abschiebung wohlauf sind. Und das sind sie :-)

22 Jahre haben wir uns nicht gesehen. Um so mehr erfüllt es mich mit Freude, zu sehen, dass sie es geschafft haben. Sie haben sich im Kosovo quasi von null an eine Existenz aufgebaut. Auch dadurch, dass Vater Halil Jahre lang in Afghanistan und Kuwait gearbeitet hat. Aus dem Krieg geflüchtet, dann die Abschiebung zurück in den Krieg und kurz darauf in ein vom Krieg tief zerissenes Land – bei derartigen Erzählungen bekomme ich Gänsehaut, die sich mit tiefer Demut mischt.

Wir werden 5 Tage dort bleiben und viel unternehmen. Unter anderem zeigt uns Egzons Vater sein Heimatdorf, aus dem sie damals vertrieben wurden. Eines der Gebäude auf seinem Grundstück wurde niedergebrannt. Uns läuft es permanent kalt den Rücken herunter – auch wenn die Verständigung nur begrenzt möglich ist, da wir alleine mit den Eltern (die wenig Englisch/Deutsch sprechen) unterwegs sind, wird uns klar, wie tief die Kriegserfahrungen hier noch in den Köpfen stecken.


Nochmals verdeutlicht wird uns das beim Besuch der Stadt Mitroviza. Sie ist bis heute geteilt. Serben auf der einen, Kosovaren auf der anderen Seite des Flusses. Die Brücke ist für Fahrzeuge blockiert, Tag und Nacht sowohl von Polizei, als auch von KAFOR-Truppen bewacht. Eine gespentische Stimmung. Ein bei uns vergessener Konflikt, der hier ungelöst bleibt.

Ein absolutes Gefühlsaufundab für Scrolan und mich. Die Erzählungen und Berichte der Familie, Wiedersehensfreude, Gerührtheit über die herzliche Gastfreundschaft. Abends fällt das Einschlafen schwer – der Kopf versucht das alles zu verarbeiten.



Die Ausflüge verschaffen dem Geist etwas Ablenkung. Unter Anderem besuchen wir die Tropfsteinhöle von Gardime.



Im Vorfeld hatte ich vom Kosovo als Land und Pristina als Hauptstadt ein völlig falsches Bild. Um so erfreulicher war dann die Realität: Pristina präsnetiert sich selbstbewusst und zukunftsgerichtet. Eine boomende Metropole mit internationalen Firmensitzen, Bazar-Viertel und Uni-Campus.
Überall wird gebaut – neue Wolkenkratzer, Straßen... Auch im Ländlichen fallen die vielen neuen, großen Häuser auf. Oft gebaut von Kosovaren, die in Westeuropa arbeiten.


Zum Abschluss geht es noch in die Berge, bevor wir uns schweren Herzens nach 5 sehr intensiven Tagen von der Familie in Grenznähe zu Albanien verabschieden. Wir bleiben in Kontakt.