Ende Gelände – oder doch nicht? Vom Banalen und wunderbar Tiefgehendem
Seit dem letzten Post ist viel geschehen. Covid hatte uns in der Türkei den weiteren Weg verwehrt. Alle Ländergrenzen Richtung Osten und Norden waren verschlossen. Einzige Option wäre Georgien gewesen. Aber auch das nur entgegen unserer Grundsätze: nicht über Land, da die Landesgrenzen nur per Direktflug aus der EU offen waren.
Was erst ein herber Rückschlag war, hat sich als weiterer Wendepunkt und dadurch als Chance erwiesen. Nicht primär wegen den weiteren Schritten, sondern allein, weil man oft um wirkliche Erkenntnisse über sich und sein Umfeld zu erlangen, zunächst einmal stehen bleiben muss. Und wenn man das aus welchen Gründen auch immer gerade nicht selbst kann oder will, kann es notwendig sein, von den Umständen dazu gezwungen zu werden.
Welche Erkenntnis war das nun?
Dass für mich eine tiefe, innere Zufriedenheit für mich nicht aus dem Entdecken, Reisen etc. per se kommt, sondern primär aus Zwischenmenschlichem. Aus guten Gesprächen, Einblicken in den Alltag und das Leben des Gegenübers. Das setzt vor allem eines voraus. Sich selbst zu bremsen und statt des eigenen Kopfkinos, der eigenen Geschichte, ein ehrliches Interesse am Gegenüber zu haben. Seine eigenen Gedanken das Eindringen in die Geschichten des anderen zu verwehren und offen zuzuhören. Was zunächst recht banal klingen mag, entpuppt sich als harte Nuss.
Zu oft ertappe ich mich dabei, wie das vom Gegenüber erzählte nur der Anstoss des Abschweifens ist. Wie ich geneigt bin, meine eigene Geschichte zu erzählen, ohne den tieferen Sinn des mir Erzählten zu erkennen. Wie oft stellt man sich die Frage: aus welchen Beweggründen erzählt er/sie mir das? Welche Aussage, welches Gefühl, welche Situation will die Person mir vermitteln? Wie oft fragen wir "wie geht es dir" und wollen wirklich die Antwort hören? Wenn das gelingt, entstehen eine zwischenmenschliche Verbundenheit und Nähe, die die Banalität eines Smalltalks schon fast lächerlich, ja verschwenderisch erscheinen lässt.
Ich nehme mir daher (nicht nur für 2023) das Ziel, möglichst dosiert mit Gesprächen umzugehen, um dann in ausgewählten Momenten diese eben genannte Verbundenheit zuzulassen.
